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Die Geschichte einer erfolgreichen Integration

"Mein Deutsch ist weniger, weniger", entschuldigt sich Federico Sanchez Salido im Besprechungsraum der Firma "AKE-technologies" in Patriching für seine Sprachkenntnisse. Die sind aber schon viel, viel besser als im November 2014, wendet Patrizia Vasquez von der Deutsch-Spanischen Gesellschaft sofort ein. Denn als Salido damals am Passauer Bahnhof ankam, ging mit Ach und Krach gerade mal ein "Grüß Gott", erzählt Bernhard König, der ihn dort persönlich empfing. Der Geschäftsführer von AKE gab Salido trotzdem eine Chance und wurde nicht enttäuscht. Der 27-Jährige macht seit Februar eine Ausbildung als Elektroniker und Betriebstechniker.

Zustande gekommen ist dieses Arbeitsverhältnis durch "the job of my life". Dies ist ein Sonderprogramm des Bundes zur "Förderung der beruflichen Mobilität von ausbildungsinteressierten Jugendlichen aus Europa" (MobiPro-EU). Bei der Passauer Arbeitsagentur sucht Marika Braml für motivierte junge Leute aus dem europäischen Ausland im Raum Passau passende Ausbildungsbetriebe, die eine hohe Willkommenskultur pflegen.

Für Federico Sanchez Salido sah es erst nicht so aus, als hätte er in Patriching den "Job seines Lebens" gefunden. Nach ein paar Tagen schien der berufliche Neustart in Niederbayern gescheitert: Die Sprachhürde war einfach zu groß. Dass es trotzdem weiterging, schreibt Bernhard König dem bemerkenswerten Verhalten des Spaniers zu: Salido war nicht sauer, sondern zeigte große Energie und packte im Betrieb trotzdem noch mit an, wo er gerade konnte. Das überzeugte den Geschäftsführer schnell, Salido nicht nach Hause zu schicken. Stattdessen besuchte der Spanier Vollzeit eine Sprachenschule, er bekam Unterstützung von der Deutsch-Spanischen Gesellschaft und lernte abends in Eigenregie. Im Februar war er dann soweit, dass er seinen Ausbildungsvertrag unterschreiben konnte. In seiner Heimat Andalusien hatte Salido keine berufliche Perspektive. Dort herrscht 60 Prozent Arbeitslosigkeit. Seit dem Schulabschluss vor etwa zehn Jahren hat er sich dort mit Gelegenheitsjobs durchgeschlagen. In Passau sieht er eine Zukunft. Drei Jahre wird die Ausbildung dauern. Federico Sanchez Salido kann sich schon jetzt vorstellen, dann zu bleiben. Die Stadt gefällt ihm gut, die Kollegen haben ihn sofort herzlich aufgenommen. Patricia Vasquez von der Deutsch-Spanischen Gesellschaft begleitet den jungen Mann vom ersten Tag an in Passau. Als er nach seiner Ankunft hier erst völlig verunsichert war, habe Vasquez "das Drama innerhalb von fünf Tagen behoben", lobt Marika Braml das einfühlsame Engagement der gebürtigen Chilenin.

Für Dr. Klaus Stein, Chef der Arbeitsagentur Passau, und seine Stellvertreterin Eva-Maria Kelch ist Federico Sanchez Salido ein Paradebeispiel gelungener Integration. Dies gehe aber nur mit einem einem hochmotivierten Arbeitnehmer, einem aufgeschlossenen Arbeitgeber und den richtigen Netzwerken.

Im Rahmen seiner Ausbildung besucht Federico Sanchez Salido regelmäßig die Berufsschule. In Kursen und durch die Arbeit im Betrieb verbessert er sein Deutsch von Tag zu Tag. Dass er über Kabelschränke und Schaltungen schon besser sprechen kann als Small Talk zu betreiben, beeindruckt nicht nur die AKE-Chefs. Bernhard König ist deshalb sehr daran gelegen, Salido auch nach der Ausbildung im Betrieb zu halten. AKE ist international ausgerichtet, da schade es nicht, auch einen spanischen Muttersprachler im Team zu haben.